Schwester Marika Wippenbeck von der Gemeinschaft der Heilig-Kreuz-Schwestern in Altötting erläutert die Botschaft der Hirten.

Das sagt uns der Hirte

 

Krippen bringen in Bewegung, Figuren wie Betrachter. Das hat sich seit über zwei tausend Jahren nicht geändert. Die Geburt Christi verändert den Lauf des Lebens.

Hirten waren die ersten, die sich bewegen ließen. Unterschiedlich sind sie dargestellt: da kommt einer im Laufschritt angerannt. Ein anderer hält behutsam ein Lamm in seinen Armen. Wieder ein anderer steht mit staunendem Blick, in anbetender Haltung vor dem Kind.

Die Hirten gehörten zu den Randgruppen der damaligen Gesellschaft. Ihr Beruf war nicht sehr geachtet. Arm waren sie. Dennoch waren sie die ersten, die das Wunder der Menschwerdung Gottes erlebten. Warum gerade sie? Warum konnte diese Botschaft bei ihnen ankommen?

Vielleicht, weil sie fähig waren, auf die Stille hören. Mitten in ihrem Alltag waren sie aufmerksam. Entdeckten sie Zeichen, die über sie hinauswiesen. Diese Sensibilität war gewachsen in den vielen Stunden der Einsamkeit und Stille bei ihren Herden in der freien Natur, unterm Sternenhimmel der Nacht…

Der Hirte lädt jeden von uns zur Erfahrung der Stille ein. Ablenkungen, optische und akustische Reize einmal bewusst abzuschalten. Mich, meine Realität und die Realität des Lebens aushalten. Voraussetzung für Veränderung. Mensch-werdung geschieht in der Stille.

Nicht von ungefähr konnte Jesus nicht im lauten Trubel der Stadt Bethlehem zur Welt kommen. Es brauchte das Abseits vom hektischen Treiben. Hier konnte das Wunder geschehen. Und hier geschieht es auch heute. Wenn Menschen – wie die Hirten – aufmerksam für das Geheimnis des Lebens sind.

 

Sr. Marika Wippenbeck