Warum Ochs und Esel in der Krippe nicht fehlen dürfen, erklärt Sr. Franziska Mitterer von der Gemeinschaft der Heilig-Kreuz-Schwestern in Altötting.

 

Ochs und Esel in der Krippe

 

Ochse und Esel. Bemerkenswert, wie nah sie beim Jesuskind stehen. Und das, obwohl sie in der Weihnachtserzählung der Bibel nicht vorkommen.

Tiere gehen dorthin, wo sie etwas zu fressen finden. Das war um die Geburt Jesu herum nicht anders. Ochse und Esel haben ihren alltäglichen Gang zur Futterkrippe gemacht. Und da passiert es: sie finden das Kind. Sie erkennen, dass sich hier etwas unerhört Großartiges abspielt. Wie es der Prophet Jesaja im Alten Testament voraus gesagt hat: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe des Herrn“ (Jes 1,3).

Ein Esel ist dazu da, Lasten zu tragen. Ein demütiges und dienendes Tier. Klingt hier nicht eine Lebenshaltung Jesu an: „Ich bin gekommen, um zu dienen“.

„Mei, bist du a  Ochs“, riefen wir uns als Kinder zu.  Das war eine klare Mitteilung, dass wir jemand für schwach oder dumm hielten. Wie anders klingt da eine Stelle der Bibel: „Das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.“ (1 Kor 1,25)

Der biblische Autor, Paulus, deutet hier auf das Geschehen am Kreuz hin.  An der  Schwachheit Jesu zeigt sich letztendlich Gottes Macht und Kraft in der Auferstehung.

Der Ochse steht für das typische Opfertier des Alten Testaments. Jesus hat in seinem Sterben diesen Opferkult abgelöst. Und sein Leben hingegeben. Für uns. Aus Liebe. Wir sind eingeladen, uns für diese Liebe zu öffnen: dann verstehen wir, dass das göttliche Kind neues, unzerstörbares Leben verheißt. Auch der schlimmste Herodes kann es nicht töten.

Das göttliche Kind trägt Leben in sich, das nicht auszulöschen ist. Ochse und Esel erahnten das. Lassen wir uns von ihnen mit auf den Weg des Glaubens nehmen.

 

Sr. Franziska Mitterer