Krippen-Szenen aus dem Bethlehem vor über 2000 Jahren.
Krippen-Ausstellung in der Fürstbischöflichen Residenz heute. Es geht aber nur um Eines. Wo auch immer auf der Welt gebaut, auch immer ausgestattet. Das will eine Krippe vergegenwärtigen: Jesus in der Welt.

Das wollte auch der Heilige Franz von Assisi veranschaulichen, als er im Jahr 1223 im Wald von Greccio die Christmette mit einer hölzernen Futterkrippe zwischen Ochs und Esel feierte. Viele Quellen sehen in dem Heiligen den Erfinder der Weihnachtskrippe. Tatsache aber ist, dass schon im vierten Jahrhundert in Rom erste Bilder von den Ereignissen der Heiligen Nacht entstanden waren. Figürliche Darstellungen der Geburtsgeschichte sind seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar. Großen Anteil am Entstehen der Krippen haben die Frauenklöster. Im 14. Jahrhundert führten sie den Brauch des “Kindleinwiegens” ein: Man betete vor gewickelten (gefatschten) Christkindfiguren. Nicht zu vergessen sind die spätgotischen Krippenaltäre, deren Flügel geöffnet und geschlossen werden konnten. Die Krippengeschichte, ein einziger Siegeszug von Kind, Maria, Josef, Ochs und Esel? Keineswegs. Denn es kam die Reformation: Dem Bildersturm fallen viele Krippen zum Opfer. Unersetzbares wird zerstört.

Dann die Gegenreformation. Der Barock ist die große Blütezeit der Krippen. Die Jesuiten wollen den Glauben veranschaulichen. “Der Gläubige muss sich vorstellen können, wie die Rüstung Goliaths scheppert, wenn der Riese, von Davids Stein getroffen, zu Boden stürzt”, forderte der Ordensgründer Ignatius von Loyola. Aus diesem Verständnis heraus bauen die Jesuiten Krippen – mächtige und wertvolle Krippen.

Der Funken springt aus den Klöstern über. Jede Stadt, jeder Markt, jedes Dorf muss eine eigene Krippe haben. Und die Orte konkurrieren untereinander: Die Darstellungen der Geburt Christi haben einen Stellenwert wie heute ein neues Feuerwehrauto.

Bis der nächste Rückschlag kam: Die Säkularisation. 1802 wird in Bayern das Aufstellen von Krippen verboten. Das Verbot führt aber lediglich dazu, daß die Krippen immer mehr in Bürger-, später auch in Bauernhäusern aufgestellt werden. König Ludwig I. gibt den Krippen schließlich ihren Platz in den Kirchen zurück. Und wenn manch strenger Exeget auch mokiert, daß Herbergssuche, Ochs oder Esel apokryphe Ausschmückungen seien, die Volksfrömmigkeit sieht großzügig darüber hinweg: Krippen sind in.

Beweise: Die vielen Krippenausstellungen in Museen, Kirchen, sogar in Einkaufspassagen.
In mancher Familie heißt es: “Und morgen bauen wir unser eigenes Kripperl”. Krippen schweißen jung und alt zusammen. Oder ganze Dörfer, wie die Krippenspiele zeigen. In Gottsdorf etwa die die “Stallweihnacht”. Bekannt sind auch die Hirtenspiele von Reisach bei Niederaudorf, Flintsbach, Kiefersfelden, Kössen in Tirol und Obersöchering bei Weilheim. Zwar wird bei solchen Aufführungen immer auch Theater gespielt: Da gibt es schlaue oder depperte Hirten, eine meist zimperliche Maria, einen bärbeißigen Josef, fetzengrobe Wirte und einen blutrünstigen Herodes. Und doch: Im Vordergrund steht die Botschaft von der Menschwerdung Jesu. Das Spiel als tatgewordenes Gebet.

Die Weihnachtskrippe ist ganz tief drin im Herzen der Menschen: Das zeigen jede Menge Geschichten rund um die Krippe. In Laufen an der Salzach erfand ein Krippenschnitzer im vergangenen Jahrhundert den “Krippenjockel”. Diese nicht ganz einen halben Meter große Holzfigur hatte zwei Köpfe zum Auswechseln, einen traurigen und einen lustigen. Je nach Begebenheit der Heilsgeschichte wurde ihm der entsprechende Kopf aufgesetzt. Mittlerweile steht der Jockel im Bayerischen Nationalmuseum: Ganz neu eingekleidet, mit einer Bundhose, weißen Strümpfen, einer ledernen Jacke, federkielgestickten Hosenträgern und einem grauen Hut, der auf jeden seiner zwei Köpfe passt. Übrigens: Die Krippensammlung im Bayerischen Nationalmuseum besteht aus über 6000 Figuren. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Krippen zu sehen.

Dabei gibt es überall Darstellungen des Weihnachtsevangeliums. Und jeder Krippenbauer stellt das Geschehen so dar, als läge Bethlehem direkt vor seiner Haustür: Die Hirten in bayerischen Krippen tragen die ortsüblichen Trachten. In Japan bringen statt Königen Samurais die Geschenke. Bei den Eskimos liegt das Jesuskind auf einem von Huskies gezogenen Schlitten. In Afrika ist das Christkind schwarz. In Peru ersetzen Lamas Ochs und Esel. Die Krippe ist dort im obersten Fach eines Holzschreins, der an ein mehrstöckiges Puppenhaus erinnert, untergebracht. Die Kolumbianer lieben es bunt. In wunderbaren Farben leuchten die Holzfiguren. Die Brasilianer stellen die Heilige Familie in einem Zeltdach dar. Auffällig sind die Tonfiguren mit ihren riesigen Augen. Bunt geht es auch in Mexiko zu: Die Tonfiguren werden nach Indioart bunt bemalt. Auf einer Blechplatte brennen Kerzen; neben der Behausung der Heiligen Familie  wird das Paradies aufgebaut. Bast ist das am häufigsten verwendete Material für die Krippen Ecuadors. Die Figuren sind aus geflochtenem Rohr.

Aber auch Europa hat vielfältige Krippen zu bieten: In Andalusien wird die Graskrippe aus Palmwedeln geflochten. Für die Figuren wird Sisalhanf verknotet. Bei den Krippen aus der Nähe von Neapel sind Stall und die umgebenden Gehöfte Ruinen. Die Krippenschnitzer der Provence verwenden Baumrinde und Torfballen. Auf Korsika wird mit getrockneten Meeresalgen und

-pflanzen die Krippe ausgelegt und das Stalldach gedeckt. Die Krippen aus Marseille baute man früher aus Backsteinen. Die Stofffiguren wurden mit kleinen aufgeleimten Rohrkolben verziert. In Polen bastelte man aus Holz und Pappe Häuser mit Türen und Fenstern. Während des zweiten Weltkriegs trug der böse Herodes oft die Gesichtszüge Hitlers. Aus dem Thüringer Wald schließlich stammt eine Glasbläser-Krippe. Jesuskind, Maria, Josef, Wiege und alle Tiere sind aus farbigem Glas. Egal ob aus kunstvollem Glas oder billigem Plastik: Die Krippe gehört zu Weihnachten wie der Christbaum. Am Heiligen Abend steht man dann stolz vor seinem ganz eigenen Bethlehem.