„Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz war“.

Diese Zeilen des Evangelisten Lukas haben seit vielen Jahrhunderten unzählige Künstler, vor allem im Bereich der Volkskunst, inspiriert, das Geschehen von Bethlehem darzustellen.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts finden sich vorwiegend in Kirchen, Klöstern und Adelshäusern Krippen, die seit der italienischen Renaissance die Geburt Christi in einer Miniaturlandschaft mit beweglichen Figuren zeigen.

Die körperlich und lebendig wirkenden Figuren sollten im Betrachter den Eindruck erwecken, er sei Augenzeuge beim Ereignis von Bethlehem, er sei selbst mit den Hirten oder den Königen zur Krippe gekommen.

Die Theologie der Aufklärung im späten 18. Jahrhundert richtete sich gegen die Krippen, die schließlich vom Staat und der Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts im öffentlichen Raum ganz verboten wurden. Die mit Krippen verbundene Sinnesfreude und Sentimentalität wurde dadurch ins Private, in den bürgerlichen und bäuerlichen Wohnraum abgedrängt, und so holte sich das gläubige Volk das Weihnachtsereignis in das eigene Haus und in die persönliche Umwelt herein. Die „Krippe mit dem Kind“ findet sich nun im Innviertler oder Tiroler Bauernhaus, im Waldlerhaus, im Bürgerhaus einer böhmischen, oberösterreichischen oder bayerischen Kleinstadt.

Die Ausstellung im Kloster Asbach bietet einen Überblick über die Krippentradition Salzburgs, Oberösterreichs, Bayerns und Böhmens von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Sie präsentiert eine außerordentliche Vielfalt an Formen und Materialien. Neben geschnitzten, gefassten und bekleideten Figuren aus Holz sind auch solche aus Papier oder gebranntem Ton zu sehen: Nagelschmiedkastenkrippen aus Steyr, Heimatkrippen aus dem Salzkammergut und dem Innviertel, aus Oberbayern und Niederbayern, Barockkrippen aus dem Salzburgerland, Kastenkrippen aus dem böhmischen Grulich, wertvolle Krippenfiguren aus der Hand der Schwanthaler, sowie Simultankrippen mit verschiedenen biblischen Szenen von der Kindheitsgeschichte Jesu bis zur Hochzeit von Kana und Passionskrippen.

Die Ausstellung will nicht nur herausragende Krippen in ihrer ästhetischen Schönheit und prachtvollen Fülle zeigen, sondern sie will dem Betrachter Sinn und Bedeutung der Krippe begreiflich machen: „Gott ist Mensch geworden“.